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Pressemitteilung 19. Oktober 2026

Pressemitteilung 19. Oktober 2026


exground filmfest 39: Themenschwerpunkt KINO OHNE GRENZEN

„Kino ohne Grenzen“ – ein Versprechen, das sich vielleicht nie vollständig einlösen lässt. Doch die Filme des diesjährigen Themenschwerpunkts nähern sich auf ganz unterschiedliche Weise den Grenzen des Menschseins und loten zugleich die Möglichkeiten des Mediums Film aus. Vom 13. bis 22. November 2026 präsentiert exground filmfest in Wiesbaden aktuelle Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilme ebenso wie außergewöhnliche Werke der Filmgeschichte, die vertraute Sehgewohnheiten infrage stellen.

Nach „Flucht und Vertreibung“ (2024) und „Mut zur Utopie“ (2025) setzt exground filmfest seine Reihe gesellschaftlich und künstlerisch relevanter Themenschwerpunkte fort. Diesmal stehen nicht geografische Grenzen im Mittelpunkt, sondern existenzielle Erfahrungen, innere und äußere Widerstände und die Veränderbarkeit unserer Wahrnehmung. Die Filme erzählen von der Magie der Kindheit und spekulativen Zukunftsentwürfen, von Menschen, die gegen einengende Moralvorstellungen und gesellschaftliche Zwänge aufbegehren. Sie führen in Zustände zwischen Traum und Wirklichkeit, Rausch und Delirium, lassen die Grenzen zwischen Fiktion und Dokumentation verschwimmen und erkunden neue filmische Ausdrucksformen. Feierlich eröffnet wird der Themenschwerpunkt am 13. November in der Caligari FilmBühne mit RED ROCKS (FR/PT/IT/ES/QA 2026) von Bruno Dumont, der anhand zweier rivalisierender Kinderbanden an der französischen Mittelmeerküste von Freundschaft, Eifersucht, Rivalität und dem grenzenlosen Freiheitsdrang der Kindheit erzählt.

Highlights aus dem Fokusprogramm

Eine Naturgewalt wird zum Ausgangspunkt eines radikalen Kinoerlebnisses: In KRAKATOA (FR/ES/GB/PL 2026) von Carlos Casas gerät ein junger Fischer nach einem Vulkanausbruch und Tsunami in eine fremd gewordene Welt. Inspiriert von der Eruption des Krakatau 1883 entfaltet der nahezu dialogfreie Film einen hypnotischen Bilderrausch. Sein außergewöhnliches Sounddesign stammt von Oscar-Preisträger Nicolas Becker. Eine finale Sequenz aus 6.371 Einzelbildern führt die Reise bis ins Erdinnere.

Wo Casas Naturgewalten sinnlich erfahrbar macht, führt PHENOMENA (AU 2026) von Josef Gatti in die verborgenen Prozesse des Universums. Mit eigens aufgebauten Experimenten macht der Filmemacher Licht, Materie, Wellen und andere physikalische Phänomene sichtbar – ohne digitale Effekte. Begleitet von Musik von Nils Frahm und Rival Consoles wird wissenschaftliche Neugier zur psychedelischen Erfahrung zwischen Kunst und Forschung.

Von den Kräften der Natur zu den Möglichkeiten einer anderen Welt: In MARE’S NEST (GB/FR/CA 2025) von Ben Rivers begegnet das Kind Moon in einer postapokalyptischen Landschaft ausschließlich anderen Kindern. Die Erwachsenen sind verschwunden; zurück bleibt eine zerstörte und zugleich verwunschene Welt, in der neue Formen des Zusammenlebens entstehen. Inspiriert von Don DeLillos Theaterstück „The Word for Snow“ erzählt Rivers ein zärtliches Zukunftsmärchen voller Fantasie und Anarchie. Der Film wurde 2025 in Locarno mit dem Pardo Verde ausgezeichnet.

Während Rivers von einer Welt jenseits vertrauter Regeln träumt, legt DEATH HAS NO MASTER (VE/IT/CA/LU/ES/MX 2026) von Jorge Thielen Armand die Gewalt bestehender Besitzverhältnisse frei. Nach dem Tod ihres Vaters kehrt Caro aus Europa nach Venezuela zurück, um ihr Erbe anzutreten. Doch die verwilderte Kakaoplantage ist längst zum Zuhause ehemaliger Arbeiter geworden, die sich ihrem Anspruch widersetzen. Der düstere Thriller mit Asia Argento feierte in Cannes in der „Directors’ Fortnight“ Premiere und ist Venezuelas Oscar-Einreichung für 2027.

Auch in THE VIRGIN OF THE QUARRY LAKE (AR 2025) von Laura Casabé brechen unter einer scheinbar vertrauten Oberfläche dunkle Kräfte hervor. Im Argentinien des Jahres 2001 treffen jugendliche Eifersucht und erotische Verunsicherung auf soziale Spannungen und magische Elemente. Nach Erzählungen der Horrorautorin Mariana Enriquez verbindet der Film das Erwachsenwerden mit dem Unheimlichen. THE VIRGIN OF THE QUARRY LAKE ist Argentiniens Oscar-Kandidat für 2027.

Die Grenze zwischen Selbstkontrolle und Begehren verhandelt wiederum LUST (BG/SE/DK 2026) von Ralitza Petrova. Eine bulgarische Gefängnispsychologin, die gewohnt ist, über andere zu entscheiden, kehrt wegen des Todes ihres entfremdeten Vaters nach Sofia zurück. Erbschaft, Schulden und eine unerwartete Begegnung bringen ihre strenge Ordnung ins Wanken. Petrovas zweiter Spielfilm nach dem in Locarno ausgezeichneten GODLESS feierte im Berlinale Forum Premiere.

Zwischen Kunstfigur, Tabubruch und filmischer Radikalität

Wie unsicher die Grenze zwischen authentischem Selbst und Kunstfigur sein kann, zeigt DOUGLAS GORDON BY DOUGLAS GORDON (GB/FR 2026). In Finlay Pretsells Porträt des schottischen Turner-Preisträgers vermischen sich Performance und Verletzlichkeit, Dokumentation und Selbstinszenierung. Zwischen Leben und Kunst bleibt hier kaum eine klare Trennlinie.

Der Fokus blickt zugleich zurück auf kompromisslose filmhistorische Positionen: NEKROMANTIK (DE 1988) von Jörg Buttgereit überschreitet drastisch die Grenze zwischen Tod und Begehren; Jane Ardens THE OTHER SIDE OF THE UNDERNEATH (GB 1972) erforscht psychische Krisen mit einer konfrontativen radikalfeministischen Filmsprache. Dušan Makavejevs SWEET MOVIE (FR/CA/DE 1974) stellt mit satirischem Exzess politische und moralische Gewissheiten infrage.

Den Abschluss des Fokus bildet ARCO (FR 2025) von Ugo Bienvenu: Ein Junge aus der Zukunft reist mit einem Regenbogenmantel heimlich in die Vergangenheit und landet im Jahr 2075, in einer Welt, die mit der fortschreitenden Klimakatastrophe umzugehen versucht. Dort hilft ihm die zehnjährige Iris, einen Weg zurück nach Hause zu finden – über die Grenzen der Zeit hinweg.

Rahmenprogramm zum Themenschwerpunkt

Über die Leinwand hinaus setzt sich der Themenschwerpunkt in einem vielfältigen Rahmenprogramm fort: Zwei Kurzfilmprogramme schlagen eine Brücke zwischen historischen und zeitgenössischen Experimentalfilmen, während eine Masterclass mit Helena Girón und Samuel M. Delgado Einblicke in die filmische Praxis eröffnet. Ergänzt wird das Programm durch die Lesung von Nassir Djafari, die Fotoausstellung IMMATERIELLES des Künstlerduos Distruktur und die Videokunstarbeit LISTENING TO PIANO GARDEN von Christian Naujoks im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden. Für den Themenschwerpunkt stiftet stadtmobil Rhein-Main erneut einen Publikumspreis.

Das vollständige Programm des Festivals wird nach der Pressekonferenz am 29. Oktober 2026 um 14 Uhr in der Caligari FilmBühne in Wiesbaden bekanntgegeben und anschließend auf www.exground.com veröffentlicht. Der Vorverkauf startet ebenfalls an diesem Tag.

exground filmfest dankt allen Förderern und Kooperationspartnerinnen!

ex39_Partner_Sponsoren_2026.pdf

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Pressekontakt:
Wiesbadener Kinofestival e. V.
exground filmfest
Marta Moneva-Enchev
presse@exground.com
www.exground.com